“Des haben wir rekonschtruiiert…”

In dieser Kategorie werde ich in Zukunft über mein Leben in und mit der Stadt Meiningen schreiben. Am vergangenen Mittwoch, war ich auf einem Vortrag über Meiningen. Der Vortrag wurde von einem älteren Herrn gestaltet, der in seiner Funktion als Stadtführer, sich ein erstaunliches Wissen über die Stadt angeeignet hat. Eben nicht die allseits bekannten auswendig gelernten Texte, die manche Stadt- oder sonst was Führer drauf haben. Hier war ein Mann, der Quasi jedes Haus in Meiningen kennt (”Hier wohnte X und jetzt wohnt da die Familie Y”). Seit Jahrzehnten dokumentiert er mit dem Fotoapparat den Wandel der Stadt. Vor der Wende, nach der Wende. Aufbereitet war der Vortrag mit vielen Dias und Geschichten dazu. Und immer wieder der Satz: “… Des haben wir rekonschtruiiert…” So sieht Identifikation aus. Was ist wie wenn “Wir” Weltmeister werden. Die Geschichte Meiningens lebt in diesem Mann. Während ich so zuhörte fragte ich mich, wer wohl in die Fußstapfen dieses Mannes treten wird. Wer wird die Geschichte der Stadt weiter dokumentieren? Wer wird das Wissen von diesem Herrn übernehmen, es sich aneignen? Eine klassische Frage des Wissensmanagements. Wie wird Wissen sortiert und vor allem lebendig gehalten? Wenn ich so das Publikum um mich herum betrachte, dann muss ich feststellen, dass meine Freunde und ich den Altersdurchschnitt erheblich drücken. Prompt wurden “wir jungen” auch erwähnt. “Es ist schön, dass diesmal auch einige aus der jüngeren Generation vertreten sind…” und dies ob wohl ich auch schon sehr deutlich jenseits der 30 bin. Ist eben immer eine Frage des Betrachters. Auf jeden Fall bin ich dankbar für Menschen wie den Referenten, dessen Namen ich leider vergessen habe. Er hat mir meine Stadt näher gebracht. Und ich ertappe mich nun dabei wie ich denke, wenn ich an einem bekannten Haus vorbei gehe, “Hier war früher der Laden X, dann, nach der Wende war da der Y drin, dann war er leer und jetzt kann ich hier Kaffe trinken.”

Einen Kommentar schreiben