Auf vielfachen wunsch…
…einer Person werde ich hier kurz meine beiden Posts “I kissed church goodbye” und “I kissed movement hello!” auf deutsch wieder geben.
Diejenigen von euch, die den Inhalt schon kennen dürfen ihn getrost ignorieren.
- Abschiedsküsschen für die Kirche/Gemeinde (I kissed church goodbye)
Mit der Kirche bin ich fertig. Ich sehe keine Weg der “Erneuerung”. M.e. enden alle Erneuerungsbewegungen in zwei Sackgassen. 1. Sie verlieren ihre Energie und werden eine para-kirchliche Einrichtung die für Erneuerung zuständig ist, was so viel bedeutet wie Seminare und Festivals zu organisieren, oder 2. sie wird eine eigene Denomination. Ich frage mich wirklich ob es überhaupt wichtig ist die Kirche zu erneuern? Warum ein System erhalten? Warum sich auf ein altes System konzentrieren? Ist das hilfreich? Wir sind doch in erster Linie gerufen Nachfolger von Jesus Christus zu sein. Diese Nachfolge teilen wir mit anderen Nachfolgern und laden andere Menschen ein ebenfalls damit zu beginnen. Hierdurch gibt es die Möglichkeit das sich eine Bewegung entwickelt. Und wie ist diese Bewegung organisiert und strukturiert? Ausschließlich durch vertrauensvolle Beziehungen. Hierbei scheint es mir wichtig zu klären ob der Begriff Ekklesia gleichzusetzen ist mit Kirche/Gemeinde oder ob sich die Ekklesia als Kirche/Gemeinde organisiert. Hier fängt wahrscheinlich das Problem an. Wenn Ekklesia diejenigen meint die gerufen sind nachzufolgen, warum müssen sie sich dann IN etwas organisieren was man Kirche nennt? Mehr denn je bin ich davon überzeugt, dass es nur darum geht Jesus in der Ganzen Schöpfung nachzufolgen. Das ist es denke ich! Tja, und was ist mit den Nachfolgern? Treffen sie sich? Gibt es Projekte die dem unmittelbaren Umfeld zu gute kommen? Sicher! Ich hoffe es sehr! Was legitimiert das alles? Ist es nicht einfach Freundschaft miteinander und dem “großen Freund”? Ist doch einfach oder? - Begrüßungsküsschen für die Bewegung (I kissed movement hello!)
Zunehmend fühle ich mich total aus allem raus, was mit Kirche/Gemeinde zu tun hat. Es ist recht schwer einen Gesprächspartner zu finden. Für mich liegt das unter anderem auch daran, das viel sehr radikal DENKEN aber das Leben weit dahinter zurückbleibt. Das führt für mich dazu, dass mich die Gesprächsinhalte zunehmend langweilen. Immer alles nur Meta, nicht konkret. Tja und dann ist da noch die gute alte Postmoderne. Niemand hat wirklich einen Standpunkt, ein Profil. Alles ist verschmolzen im Topf des postmodernen Pluralismus. Nicht dass ich zurück wollte in die gute alte Moderne, aber die Thematik ist zumindest in Deutschland recht austauschbar und vorhersehbar geworden. Am Ende ist man einer Meinung und so muss man sich auch nicht wirklich hinterfrage oder gar relativieren. Die emerging church Thematik scheint mir recht kopflastig zu sein und hat manchmal den Geruch von theologischer, und (pseudo) intellektueller Diskussion, die aber als Dialog daher kommt. Wie schon erwähnt wenig Einfluss auf praktische Entscheidungen ist zu spüren. Meine Freunde und ich sind seit einigen Jahren in eine Richtung unterwegs und uns hierher gebracht hat. Und um es gleich klar zu machen, wir fühlen uns nicht als Helden, oder besonders, oder als besonders radikal. Vielleicht sind wir ja nur deutsch-dickköpfig-konsequent-zu ernsthaft-engstirnige-Leute. OK, kann sein. Klar ist für mich zumindest, dass ich nicht bis hierher gelaufen bin um festzustellen, dass etliche sich damit begnügen sich an ihrer geistlich/intellektuellen Masturbation zu erfreuen. Vielleicht ist alles auch nur eine Farce, ein Spiel in dem ein paar Leute Geld verdienen (diejenigen die Bücher schreiben, oder Netzwerke veranstalten oder Gespräche ermöglichen (letztlich auch wieder nur eine neue Beschreibung für Konferenzen)). Vielleicht ist das alles gar nicht wichtig. Wer in Deutschland lebt denn wirklich aus was der emerging church wichtig ist? Sicher es gibt ein paar gute Beispiele, ein-drei kenne ich selbst und ich bin sehr dankbar für sie. Aber wenn ich die Anzahl derer vergleiche die radikal denken und derer die radikal leben, dann wird das offensichtliche noch klarer. Gibt es wenigstens 10 Projekte in Deutschland die das Zeug wirklich leben? Und dann gibt es die, die wirklich gute Arbeit leisten (im Sinne von “neue” Wege gehen) und nie auf den Gedanken kommen würde sich zur EC zu zählen. Es ist einfach sich hinter “neuen” Gedanken zu verstecken und das mit der Herausforderung des Lebens zu verwechseln. Sollte die EC als “Erneuerungsbewegung” der Kirche (wie wir sie kennen) enden, was ich nicht hoffe, dann wird sie nur das nächste “Willow Creek”. Ein Dienstleister eben der durch sein Angebot gleichzeitig auch wieder die Nachfrage steigert. Ein paar alten Systeme bekommen ihre Frischzellenkur und lassen die EC ausgesaugt und leer zurück. Sie gehen dann weiter, wie es immer war, in ihrer imperialistischen Haltung, zum nächsten heißen Ding. Bin ich pessimistisch? Vielleicht auch nur realistisch? Für mich ist klar, dass ich nur noch bereit bin mich für eine flache Bewegung von Nachfolgern, auf der Grundlage von Freundschaft und gegenseitigem Vertrauen, einzusetzen. Führung und Leitung wird durch Vertrauen und ein natürlich-geistliches Mandat gelebt und definiert. Das wars!
So. Das sind also die deutschen Texte. An der einen oder anderen Stelle habe ich Aussagen geändert oder präzisiert (deutsch ist halt doch die Muttersprache).
Folgende Fragen bleiben bisher offen:
Wenn ich davon schreibe, dass wir “hier” angekommen sind, stellt sich natürlich die Frage 1. Wer? und 2. Wo denn?
Tja nun, was soll ich sagen? Soll ich über das schreiben und erzählen was uns bewegt, was wir für Erfahrungen machen? Ich bin mir nicht sicher. Da tobt ein Kampf in mir. Ich bin sehr gespannt wie Shane Claiborne mit dieser Spannung umgeht. Noch lässt er sich nicht vermarkten, obwohl er ein Buch geschrieben hat bzw. sie als Gemeinschaft über sich reden. Aber natürlich: Die die eine Kur brauchen stehen schon lange Schlange. Bin gespannt wie die Deutschen damit umgehen. Wahrscheinlich wie üblich.
Wenn ich von “anderen” oder “etlichen” schreibe, wer ist damit gemeint?
Dazu sage ich nix, da es im Grunde auch gar nicht um Menschen geht. Es geht mir um die Haltungen. Ich habe beide Texte, dass muss ich zugeben, auch teilweise aus einer Frustration darüber geschrieben wo wir in Deutschland als Nachfolger von Jesus stehen. Einfach beschämend. Es ist zum heulen.
Hallo! Ich bin Marcus Splitt. Ich lebe und arbeite in Berlin, letzteres auch gerne around the globe. Ich bin Consultant für PE/HRD und OE/OD bei Kessels&Smit The Learning Company, Theologe, Coach, Lebens-Designer und querdenkender Entwickler. Als solcher bin ich selbständig.
Hier schreibe ich über den Werdegang meiner Unternehmungen. Live, ungeschliffen und (fast) unzensiert!
Alles weitere sind Notizen.

Am 3. Mai 2008 um 10:57 Uhr
Hallo lieber Marcus,
ich sitze gerade bei uns in Achern im Buchladen und bin auf deine Homepage gestoßen. Geht es euch gut? Du siehst zumindest gut aus auf dem Foto hier. Falls du auf deinen Reisen mal an der Ausfahrt Achern vorbei kommst, würden wir uns sehr freuen dich mal wieder zu sehen.
Ganz liebe Grüße von den Reinhardts
Am 3. Mai 2008 um 14:18 Uhr
Hallo Holger, das ist ja eine Überraschung. Uns geht es soweit gut. Jau, wäre sicher spannend sich mal wieder zu sehen. Ich bin Ende Juni/Anfang Juli auf Tour und komme sogar die A5 aus Basel hochgefahren. Wäre also eine Gelegenheit. Liebe Grüße an die Familie!